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Mit Empathie und Feingefühl

Nicole Leuteritz ist Krankenschwester aus Leidenschaft. Auf ihren Vorschlag hin wurde bei der Planung der Gynäkologie am Krankenhaus St. Marienwörth ein Raum miteingeplant, der für Brustkrebspatientinnen und ihre Angehörigen zur Verfügung steht und der außerdem den Austausch zwischen den Patientinnen in Wohlfühlatmosphäre fördern soll. Der Vorschlag wurde von den Vorständen Dr. Matthias Bussmann und Joachim Domann im Zuge der Generalsanierung aufgegriffen, im Frühjahr soll diese in der betreffenden Abteilung dann starten.

Das wäre genau der Zeitpunkt für die Übergabe des Schecks der Spendenaktion von „Leser helfen“, die in diesem Jahr für das Brustzentrum Nahe am St. Marienwörth bestimmt ist. Abteilungsleiterin Nicole Leuteritz weiß aus vielen Berufsjahren, unter anderem als weitergebildete Fachkraft für Palliativpflege, wie bedeutend ein Rückzugsraum für Frauen sein kann, die mit der Diagnose Brustkrebs umgehen und leben lernen müssen.

Dabei begleitet werden die Patientinnen von Fachleuten, die ihnen vom ersten Ultraschall bei einem Verdacht zur Seite stehen. Bei der Behandlung eines bösartigen Tumors mittels Chemotherapie, vor und nach einem operativen Eingriff, während des stationären Aufenthaltes und der Strahlentherapie treffen die Frauen im Brustzentrum immer wieder auf vertraute Gesichter. Nicole Leuteritz kann auf ein Team von 16 Pflegekräften auf Station vertrauen, allesamt Expertinnen auf ihrem Gebiet. Dazu gehören die Pflegeexpertinnen für Brusterkrankungen (Breast Care Nurses) Esther Bachor, Stefanie Bärdges und Gabriele Emmert, die onkologische Fachpflegekraft Annette Zosel de Iturri, die Pflegeexpertin für Schmerztherapien (Pain Nurse), Esther Saueressig sowie die Ernährungsexpertinnen Dagmar Eislöffel und Ulrike Urschel.

Die Expertinnen wissen, dass manche Frau die Übermittlung der Diagnose wie durch einen Nebel wahrnimmt, manche ist wie gelähmt, manche verdrängt das Wissen. „Die Diagnose Krebs geht stets mit großer Angst einher“, weiß Nicole Leuteritz. Wichtig sei es, erstmal „da zu sein“. Dieser von der Pflegeexpertin in Gedanken schon eingerichtete Entspannungsraum für die Patientinnen nach Operation oder Chemo sei deshalb von großer Bedeutung. „Wir nehmen uns die Zeit, um auf alle Ängste einzugehen.“ Der Raum soll unter anderem Sofa und Sessel, Lichtsäulen Musikanlage und einen großen Spiegel vorhalten.

Er ist von Bedeutung, möchte die Frau allein oder mit Partner, Freundin, Mutter, Tochter oder Ehemann nach einer Operation oder Brustabnahme einen ersten Blick auf den veränderten Körper werfen. Die Expertinnen haben dabei auch die Kinder und die jeweiligen Partner mit im Blick beim Beginn des Vertrautwerdens mit einer neuen Situation.

Zweifel werden bei der sogenannten Körperbildarbeit mit den Fachkrankenschwestern ausgeräumt. „Kann ich meiner Frau jetzt noch sagen, dass ich sie hübsch und schön finde?“, ist eine Frage, die Nicole Leuteritz nicht nur einmal gestellt wurde. Von den Mitarbeitern im Brustzentrum wird hierbei viel Empathie und Feingefühl vorgehalten. „Bei manchen Betroffenen fließen Tränen, andere sind wie erstarrt“, wissen die BC-Nurses. Auch für sie wäre es schöner, solche sensiblen Schritte auf dem Weg der Gewöhnung und Besserung nicht im regulären Patientenzimmer gehen zu müssen. Schamgefühl spielt eine wichtige Rolle, zum Beispiel auch dann, wenn eine Prothese angepasst werden soll. „Solche Situationen erfordern immer unsere höchste Empathiefähigkeit“, betont Leuteritz.

Viele Unsicherheiten begleiten die Paare dabei. Schon allein Farbkonzept und Mobiliar sollen beruhigende Wirkung haben. „Ehepaare müssen solche Momente gemeinsam aushalten, einfacher ist dies sicher in intimerer Atmosphäre als bislang“, betont Leuteritz. Ganz klar stellt sie fest, dass eine Amputation hohe Anforderungen an eine Beziehung stellt. „Nicht nur Männer, auch wir Frauen identifizieren uns selbst viel über den Busen.“ Um damit klar zu kommen, Frust und Angst abzubauen, brauche das eine Paar vielleicht mal laute Heavy-Metal-Musik, das nächste Paar hält sich lieber bei einem vertrauten Schlager an den Händen, und die dritte Frau liegt bei Klassik ihrem Mann in den Armen.

Nicht zu unterschätzen sei die enorme Belastung, die auf eine ganze Familie zukommen kann. Die Frau ist heute eine wichtige Säule als Mit- beziehungsweise Zweitverdienerin, und der Mann benötige in der Zeit in der für die Frau doch belastenden Chemotherapie beziehungsweise Bestrahlung zusätzliche Kraft, um Kinderbetreuung, und Haushalt neben dem Job und der Begleitung seiner Frau zu bewältigen. Nicht nur deshalb steht für die Ideengeberin fest: „Diesen Rückzugsraum, angesiedelt neben einer zum Gedankenaustausch einladenden Teeküche, in der wir weg vom üblichen Tablettsystem am Bett bei der Einnahme von Mahlzeiten kommen wollen, braucht es am Brustzentrum Nahe zwingend.“

Dieser Beitrag und Foto entstand bei der „AZ-Leser helfen“ Aktion Ende 2020/Anfang 2021 von Isabella Mittler-Zumsteg. Bei der Aktion wurden Spenden gesammelt, die zur Einrichtung eines speziellen Raumes auf der neuen gynäkologischen Abteilung verwendet werden, in dem in Wohlfühlatmosphäre Begegnungen und Gespräche in Privatsphäre möglich sind.
 

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Brustzentrum Nahe
im Krankenhaus
St. Marienwörth

Mühlenstraße 39
55543 Bad Kreuznach

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