News

Belastend für Seele und Psyche

Eine Krebsdiagnose geht in vielen Fällen mit Hilflosigkeit, Verzweiflung, Angst und Verunsicherung einher. Im Brustzentrum Nahe nehmen aus diesem Grund Psychoonkologie und Seelsorge bei der Krisenintervention bedeutende Rollen ein. Seit 2008 ist Dr. Nehir Bagriyanik als Diplom-Psychologin am Krankenhaus St. Marienwörth tätig und kommt somit auch mit den Frauen in Kontakt, die aufgrund der Erkrankung drohen, aus der Bahn geworfen zu werden. Viele Aspekte tragen zur Verunsicherung bei, Angst vor der Operation, Angst vor Metastasenbildung, Angst vor dem veränderten Körperbild sowie Haarausfall, Angst, den Alltag nicht mehr bewältigen sie können, Angst, die Angehörigen zu überfordern und anderen zur Last zu fallen.

Seelsorgerin Andrea Moritz, Krankenhauspfarrerin am Marienwörth, weiß, dass für viele Frauen die Diagnose Brustkrebs auch mit der festen Überzeugung einhergeht, nun ihr Todesurteil erhalten zu haben. „Häufig fragen sich die Patientinnen, ob sie jetzt für ein Fehlverhalten bestraft werden, und sie fragen sich, wie Gott dies zulassen kann“, berichtet Pfarrerin Moritz. Ihr ist es ein Anliegen, für die Frauen in erster Linie einfach da zu sein, der Patientin zuzuhören. Im nächsten Schritt möchte sie den Frauen deutlich machen, dass der große Berg voller Probleme und Fragen, der sich vor einem auftürmt, nicht auf einmal gelöst werden kann. Vielmehr macht sie jeder Patientin Mut, nun einen Schritt nach dem anderen zu tun, in kleinen Kategorien zu denken. Oft helfe es den Frauen schon zu erfahren, dass sich einfach jemand Zeit für sie nimmt, auch wenn manchmal diese Zeit genutzt wird, um gemeinsam zu schweigen.

In den meisten Fällen können die Patientinnen so nach und nach trotz schwerwiegender Diagnose stabilisiert werden. Schließlich, so betonen die Vertreterinnen der begleitenden Dienste, sei Brustkrebs heute gut behandelbar und den meisten Betroffenen gelänge es, ohne eine psychosomatische Folgeerkrankung dieses Tal zu durchschreiten. Bei 40 Prozent der Brustkrebspatientinnen entwickeln sich allerdings psychosomatische Auffälligkeiten, berichtet Psychologin Nehir Bagriyanik. Sie kommt routinemäßig im Zuge der konsiliarischen Teambesprechungen auf Station mit jeder Patientin in Kontakt. Je nach Bedarf führt sie bis zu fünf Gespräche mit einer Patientin. In der psychoonkologischen Sprechstunde im Brustzentrum können auch Angehörige Rat und Unterstützung, Begleitung und Ansprache finden.

Danach schließt sich eventuell eine Reha an, vom Brustzentrum Nahe gibt es zudem Informationen zu möglichen weiteren Anlaufstellen und Therapeuten. Dr. Bagriyanik bringt ihr Fachwissen mit ein, die Gedanken der Patientinnen auf angenehme Erlebnisse zu richten. Ein Ansatz, der sich in einer angenehmen Atmosphäre leichter umsetzen lässt. Die Leser dieser Zeitung werden deshalb gebeten, für die Einrichtung eines Rückzugsraumes auf der gynäkologischen Abteilung zu spenden. Hier sollen Brustkrebspatientinnen sich untereinander austauschen können, sollen sich mit ihren Partnern und Familien einmal aus dem Zwei- oder Dreibettzimmer entfernen können, um ungestört über Gefühle und Ängste zu sprechen. Denn es kommt natürlich auch zu ganz schwierigen Situationen. Etwa, wenn eine schwerkranke Frau ihren Kindern beibringen möchte, wie es ihr geht.

Zwar gibt es in unmittelbarer Nähe zur Station C 3 in den Räumlichkeiten der Krankenhausseelsorge einen Raum der Stille, doch dieser steht allen Patienten zur Verfügung. Manchmal, wenn Pfarrerin Moritz den Raum betritt, vernimmt sie zunächst nur ein leises Weinen. Geholfen wird den Ratsuchenden überkonfessionell und auch Menschen ohne Kirchenzugehörigkeit. „Darum geht es in diesen Momenten nicht“, betont Pfarrerin Moritz. „Wir sind einfach da, von Mensch zu Mensch, stellen uns in den karitativen Dienst der Nächstenliebe.“ Die Seelsorgerin lässt die Frauen spüren, dass sie bereit ist, in dieser unsicheren Situation das Leben mit ihnen zu teilen, und signalisiert, „das alles für diesen Moment mit der Patientin gemeinsam auszuhalten“.

Die Diagnose Brustkrebs, dies hat Andrea Moritz schon häufiger festgestellt, kann nicht nur in Abgründe blicken lassen, sondern Aufrütteln und sogar Positives auslösen. Die Patientinnen erkennen den tieferen Sinn des Daseins, nehmen ihr Leben nach der Behandlung intensiver in Angriff und setzen Prioritäten neu. Die Selbstfürsorge rückt in den Vordergrund. Manche berufliche Veränderung wird noch einmal gewagt oder auch deutlich gemacht, dass die Pflege von Angehörigen sie selbst überfordert. Andere lassen endlich ihre (erwachsenen) Kinder los, stellen fest, dass sie jetzt endlich einmal an sich selbst denken wollen.

Solche starken Frauen können anderen Betroffenen Mut machen. Auch dafür ist der geplante Rückzugsort im Brustzentrum Nahe gedacht. Bei einer Tasse Tee oder einem gemeinsamen Mittagessen kann hier Zeit gemeinsam verbracht werden. Eine Idee, die bei Andrea Moritz und Nehir Bagriyanik auf große Zustimmung trifft. „Ein Krankenzimmer bleibt ein Krankenzimmer, das mit Visite, medizinischen Gesprächen und technischen Geräten in Verbindung steht. Einen fußläufigen Rückzugsort wie geplant mit Möglichkeiten zur Entspannung wird von ihnen nur unterstützt. „Jeder sollte zuversichtlich leben, im Wissen, dass die Aussicht besteht, gesund zu werden. Niemand sollte die Hoffnung verlieren“, betont Nehir Bagriyanik, und Andrea Moritz appelliert: „Nehmen Sie ihr Leben jetzt in die Hand, und schauen Sie, was Ihnen guttut. Das Leben spielt im Hier und Jetzt, nicht in fünf Jahren, und nicht im Gestern.“

Dieser Beitrag und Foto entstand bei der „AZ-Leser helfen“ Aktion Ende 2020/Anfang 2021 von Isabella Mittler-Zumsteg. Bei der Aktion wurden Spenden gesammelt, die zur Einrichtung eines speziellen Raumes auf der neuen gynäkologischen Abteilung verwendet werden, in dem in Wohlfühlatmosphäre Begegnungen und Gespräche in Privatsphäre möglich sind.

FacebookFacebook
> Broschüren- service

Flyer & Broschüren

Hier finden Sie alle Flyer und Broschüren zum Download.

> Kontakt

Brustzentrum Nahe
im Krankenhaus
St. Marienwörth

Mühlenstraße 39
55543 Bad Kreuznach

Diese Webseite verwendet Cookies.

Cookies helfen uns dabei, Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten und unsere Webseite ständig zu verbessern.
Mit dem Klick auf den Button “Akzeptieren” erklären Sie sich mit der Verwendung einverstanden.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte unserer Datenschutzerklärung. Hier können Sie auch jederzeit Ihre Cookie-Einstellungen anpassen.